Ultental im November: Goldene Lärchen, Einsamkeit und herbstliches Slow Camping mit dem Wohnmobil

von Tom
veröffentlicht: zuletzt aktualisiert am

Ultental im November: Goldene Lärchen, Einsamkeit und herbstliches Slow Camping mit dem Wohnmobil

Wenn sich das Jahr dem Ende zuneigt, die meisten Campingplätze schließen und der erste Frost in den Tälern Südtirols einzieht, zieht es die wenigen Camper, die dann noch unterwegs sind eher in den Süden. Oder bereits in den ersten Skiurlaub. Uns nicht. Für uns hat der Spätherbst eine ganz eigene Magie. Er ist die ultimative Einladung, das Tempo komplett herauszunehmen. Kein Trubel, kein Drängeln auf den Wanderwegen, einfach nur die klare, kalte Luft und das Rascheln der letzten Blätter.

Im November hat es uns ins Ultental verschlagen – ein Seitental, das ohnehin für seine Ursprünglichkeit bekannt ist. Was wir dort erlebten, war Slow Travel in seiner reinsten Form: frostige Schattenseiten, strahlende Sonne, leuchtend gelbe Lärchen und eine Stille, die man heutzutage nur noch selten findet.

Warum das Ultental im Spätherbst ein echter Kraftort ist

Schon bei der Fahrt ins Ultental hinein hatten wir das Gefühl in eine andere Welt einzutauchen. Eine magische Bergwelt in leuchtendem Gelb. Das Besondere am Ultental im November ist der Kontrast. Auf der Schattenseite des Tals hält sich der Frost hartnäckig und überzieht die Wiesen mit einer glitzernden Schicht aus Eiskristallen. Doch sobald die Sonne über die Bergkämme klettert, wärmt sie das Gesicht und taucht das gesamte Tal in das tiefe, warme Gold der Lärchen.

Sie haben es uns besonders angetan. Sie leuchten in einem intensiven Gelb-Orange, bevor sie im Winter ihre Nadeln verlieren. Für uns ist diese reizarme, ruhige Umgebung ein absoluter Segen. Keine Touristenströme, die Energie rauben, sondern einfach nur Natur, die zum Durchatmen einlädt.

Südtirol außerhalb der Saison: Ultental im November
Die Sonnenseite des Ultener Höfewegs

Der Ultner Höfeweg: Auf den Spuren jahrhundertealter Paarhöfe

Wer eine Wanderung sucht, die Genuss und Kultur ohne sportlichen Leistungsdruck verbindet, ist auf dem Ultner Höfeweg goldrichtig. Unser Startpunkt war der Sportplatz in St. Nikolaus. Bevor es überhaupt richtig losging, haben wir uns im Dorf erst einmal bei einem kleinen Bäcker mit Proviant eingedeckt: Himmlisch leckere, frisch gebackene Nussschnecken wanderten in den Rucksack – die perfekte Nervennahrung für unterwegs!

Ultental im November: Beschilderung des Wanderwegs

Das Besondere an diesem Weg sind die namensgebenden Höfe, die sich wie Perlen an den Berghängen aneinanderreihen. Im Ultental blickt man auf eine ganz spezifische Bauweise: die sogenannten Paarhöfe. Anders als in vielen alpinen Regionen üblich, sind hier Wohnhaus und Stallgebäude strikt getrennt gebaut.

Ultental im November: jahrhundertealte Paarhöfe mit geflochtenen Zäunen
Typisch Ultener Paarhof: mit Holzschindeln gedeckt und mit Steinen beschwert, davor ein geflochtener Ultener Holzzaun
Ultental im November: jahrhundertealte Paarhöfe

Die jahrhundertealten, sonnenverbrannten Holzbalken sind vom Alter fast schwarz gefärbt und die Dächer traditionell mit Holzschindeln gedeckt, die oft noch mit schweren Steinen beschwert sind, um den Herbststürmen zu trotzen. Entlang des Weges läuft man zudem vorbei an den faszinierenden Ultner Zäunen – kunstvollen, komplett aus Holz geflochtenen Grenzzäunen, die ohne einen einzigen Nagel auskommen.

Ultental im November: jahrhundertealte Paarhöfe

Unsere Runde war insgesamt etwa 11 Kilometer lang und führte uns von St. Nikolaus aus zunächst taleinwärts auf der Sonnenseite nach St. Gertraud. Hier wandert man im wärmenden Licht der herbstlichen Novembersonne von Hof zu Hof und genießt den weiten Blick über das Tal.

Panoramablick vom Ultener Höfeweg in Südtirol
Blick Richtung St. Nikolaus auf dem Rückweg

Die Urlärchen in St. Gertraud: Naturwunder

Die berühmten Urlärchen in St. Gertraud standen schon sehr lange auf Sylvias Bucketlist. Sie war schon einmal als Kind mit ihren Eltern dort. Diese drei monumentalen Bäume gelten als die ältesten Nadelbäume Europas – schätzungenweise über 800 Jahre haben sie auf dem Buckel.

Wir hatten sie uns zugegebenermaßen noch etwas mächtiger vorgestellt, aber nachdem wir Mammutbäume in den USA gesehen haben, snd wir natürlich ein bisschen verwöhnt. Dennoch sind diese Baumriesen mehr als imposant: Sie haben Jahrhunderte überdauert, Stürme überstanden und strahlen eine unerschütterliche Ruhe aus. Ein perfekter Ort, um kurz innezuhalten und die eigene Batterie wieder aufzuladen.

Ein majestätischer Wasserfall und kaiserlicher Glanz im Wald

Nach den Urlärchen findet ihr ein echtes Naturschauspiel am Wegesrand: Ein mächtiger Wasserfall stürzt hier lautstark über die Felskanten in die Tiefe. Die Gischt wirbelte in der kalten Luft und bildete einen tollen Kontrast zu den herbstlich-goldenen Wäldern. Es war wirklich eiskalt als wir vor dem Wasserfall standen!

Nur ein Stück weiter stößt man auf ein geschichtsträchtiges Gebäude, das fast ein bisschen surreal im Wald wirkt: die Villa Hartungen. Um die Jahrhundertwende traf sich hier die literarische und intellektuelle Prominenz zur Sommerfrische und Kur.

Gegründet von dem bekannten Arzt Dr. Christoph Hartung von Hartungen, suchten hier berühmte Persönlichkeiten wie Thomas Mann, Heinrich Mann, Franz Kafka und der Dichter Christian Morgenstern in der Abgeschiedenheit des Ultentals Erholung und geistige Inspiration. Heute strahlt die historische Villa einen nostalgischen Charme aus und erinnert an die Zeit, als das Tal ein diskreter Zufluchtsort für Weltliteraten war.

Unser Nomady-Stellplatz: Alleine beim Apfelbauern im Ultental

Die erste Nacht von Freitag auf Samstag haben wir auf dem Stellplatz in Sterzing verbracht. Von dort aus haben wir gleich am Samstag morgen über Nomady einen Stellplatz für die kommende Nacht unweit des Ultental gebucht. Und was sollen wir sagen? Es war ein Volltreffer.

Stellplatz beim Apfelbauern in Südtirol
Die einzigen Gäste auf dem Stellplatz beim Apfelbauern

Wir standen komplett alleine auf dem Hof eines Südtiroler Apfelbauern. Keine Nachbarn, keine Geräuschkulisse – nur wir und die Natur. Der Hof war fantastisch ausgestattet. Neben einem süßen Hofladen gab es sogar eine Feuerstelle und einen Grillplatz, an der wir den Abend hätten verbringen können, wenn uns die Novemberkälte nicht doch recht schnell ins gemütlich geheizte Wohnmobil getrieben hätte.

Der kleine Hofladen war ein absolutes Highlight. Wir haben uns mit regionalen Produkten eingedeckt:

  • Hausgemachter Apfel-Balsamico-Essig (ein Traum!)
  • Ein feiner, regionaler Wein für den gemütlichen Abend im Camper

Es ist genau diese Art von Tourismus, die wir lieben und schätzen: Direkt, authentisch und man unterstützt die Menschen vor Ort. Ein Stellplatz auf dem man sich so richtig willkommen fühlt. Dieses Gefühl vermissen wir leider allzu oft an den normalen Campingplätzen.

Hofladen beim Apfelbauern in Südtirol
Vor dem kleinen Hofladen beim Apfelbauern
Zu Gast beim Apfelbauern in Südtirol

FAQ: Tipps für deine Off-Season-Reise ins Ultental

Nein, viele Restaurants, Seilbahnen und Hotels sind in der Zwischensaison geschlossen. Genau das macht aber den Reiz aus. Stell dich darauf ein, dich im Wohnmobil selbst zu versorgen, und genieße die Einsamkeit.

Die Temperaturen können, besonders im Schatten und nachts, unter den Gefrierpunkt fallen. Eine gut funktionierende Standheizung und kuschelige Kleidung sind Pflicht. Sobald die Sonne da ist, fühlt es sich jedoch herrlich mild an.

Ja, absolut. Wenn man den Einstieg geschafft hat, verläuft der Weg sehr sanft und ohne große Höhenunterschiede. Man kann die Länge der Strecke zudem sehr individuell anpassen indem man den passenden Einstieg für eine Rundwanderung wählt oder einfach nur ein Teilstück läuft.

Unser Wochenende im Ultental im November bei YouTube

Unser Fazit: Warum das Ultental im November die perfekte Auszeit ist

Das Ultental im November hat uns wieder einmal gezeigt, dass das Reisen in der Nebensaison beziehungsweise außerhalb der Saison oft die intensivsten Reiseerlebnisse bietet. Wer die Natur sucht, um zu regenerieren, wird hier definitiv fündig.

Wenn die Landschaft zur Ruhe kommt, öffnet sich ein Raum für echtes, unverfälschtes Slow Travel. Uns hat dieses frostig-schöne Herbstwochenende unglaublich gutgetan: Die leeren Wege auf dem Höfeweg, das bewusste Erleben der jahrhundertealten Naturwunder und die Einsamkeit auf unserem Stellplatz beim Apfelbauern helfen den Akku wenigsten wieder ein bisschen aufzuladen.

Warst du schon mal im Spätherbst in den Bergen unterwegs, wenn der erste Frost kommt? Oder ziehst du im November eher den warmen Süden vor? Erzähl es uns unbedingt unten in den Kommentaren, wir freuen uns auf deine Erfahrungen!

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