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ADHS im Erwachsenenalter | Wie sich das Feuerwerk in meinem Kopf 45 Jahre lang verstecken konnte

von Sylvia

ADHS im Erwachsenenalter | Wie sich das Feuerwerk in meinem Kopf 45 Jahre lang verstecken konnte

ADHS im Erwachsenenalter und was das wiederum mit einem Artikel zu tun hat, den ich Anfang des Jahres auf meinem Blog veröffentlicht habe, darauf möchte ich heute in diesem Beitrag eingehen. Dieser besagte Artikel handelte von Depressionen und ihren vielen Gesichtern und dieser Artikel brachte mir unfassbar viel Feedback entgegen. Tolles Feedback, das mich zugegebenermaßen mit richtig viel Stolz erfüllt. Aber aus diesem Artikel bin ich ja noch immer eine Antwort schuldig geblieben. Nämlich die Ursache allen Übels.

ADHS – Das fehlende Puzzleteil

Grundsätzlich bin ich ein Mensch, der gerne Ursachenforschung betreibt und so einiges passte ja eben auch nicht zur klassischen Depression, sondern viel mehr zu einem Burn-Out. Doch da war neben dieser seit Jahren bestehenden, bleiernen Müdigkeit auch diese krasse Antriebslosigkeit. Letzteres kann man sich ja auch immer gut selbst erklären mit „ich bin halt nicht konsequent genug“, „ich bin bequem“ oder ähnlichem. Alle in Betracht kommenden körperlichen Ursachen waren ja, wie bereits berichtet, schon ausgeschlossen. Aber da war noch diese eine Idee in meinem Hinterkopf.

Und diesen Floh hatte mir mein Mann Thomas ins Ohr gesetzt. Schon vor Monaten, als es mir noch ganz wunderbar ging, und ich wieder ganz euphorisch an irgendeiner neuen Idee gearbeitet habe. Da sagt er im Vorbeigehen zu mir „Du hast doch ADHS!“. Was ich mit einem lauten Lachen quittiert habe, denn meine personifizierte Vorstellung von ADHS war bis zu diesem Zeitpunkt ein sieben Jahre alter Junge, mit dem seine Eltern nicht zurecht kommen. Der in der Schule den Unterricht stört und den seine Lehrer am liebsten aus der Klasse hätten. Irgendwie war ich aber noch so geistreich zurückzufragen, wie er denn auf diese – in meinen Augen absurde – Idee gekommen sei? 

ADHS bei Erwachsenen – gibt es das überhaupt?

Er hatte kurz davor einen Artikel über unentdecktes ADHS im Erwachsenenalter gelesen oder etwas im Radio darüber gehört, so ganz sicher war er sich da schon nicht mehr. Aber er musste dabei an mich und mein Verhalten mein Wesen, denken. Dass ich immer tausend Ideen habe, mich heute für das eine begeistere, morgen für das andere. Und dass ich einfach nicht mehr erreichbar bin für meine Umwelt, wenn ich gedanklich irgendwo ganz tief drin bin. Bei ihm hinterfragt habe ich das alles aber erst viel später.

Bis dato war mir ja gar nicht klar, was ADHS genau ist, wie es aussehen kann und dass eben nicht nur einen Erscheinung bei Kindern ist. Es hat mich auch schlicht nicht interessiert. Aber da kam der Moment, an dem ich mich an dieses Gespräch erinnert habe. ALs der Leidensdruck eben so übermächtig war und ich verzweifelt eine Lösung gesucht habe.

Meine beste Freundin, die Suchmaschine

Man soll ja keine Krankheiten und so etwas googeln. Aber manchmal hilft es einem dann eben doch weiter. Als ich da also meinen Geistesblitz in Form einer Erinnerung an diesen kurzen Dialog mit meinem Mann Thomas hatte, habe ich eben doch gegoogelt. Und ich wurde fündig. Und wie ich fündig wurde. Eine Suchanfrage führte zur nächsten und ich habe einen Artikel nach dem anderen verschlungen. Insbesondere als ich konkreter nach ADHS bei erwachsenen Frauen gesucht habe. Jungen werden schon häufiger diagnostiziert als Mädchen, weil ADS beziehungsweise ADHS bei Jungs oft anders aussieht als bei Mädchen. Und so wie es im Kindesalter ist, so bleibt es auch später. 

ADHS im Erwachsenenalter - man hat viele Interessen

Ein Hoch an dieser Stelle also auf die Gendermedizin! Leben wir doch in einem Zeitalter, in dem Frauen zwar seltener einen Herzinfarkt erleiden als Männer, aber immer noch häufiger daran sterben, da Mann und Frau und damit die jeweilige Symptomatik eben doch verschieden sind. Ja, auch Unterschiede machen Gleichberechtigung, so paradox das jetzt auch klingen mag. Kurzum, ich bin zu alt, als dass man es zu meiner Schulzeit hätte erkennen können, weil ADHS ohnehin kaum ein (oder eher gar kein) Thema war.

ADHS bei erwachsenen Frauen – der Sonderfall unter den Sonderfällen

Als Kind war ich das stille, verträumte Mädchen, das sich nicht gegen ihre ruppigen Klassenkameraden durchsetzen konnte. Das zwar fleißig mitarbeitete, gute Leistungen erzielte, aber sich doch leicht ablenken ließ. Also im Grunde nichts, was auffällig oder beunruhigend gewesen wäre. Im Gegenteil, die Lehrer mochten mich, weil ich eben nicht den Unterricht störte und nie aufbegehrt habe. Und so war es auch im Erwachsenenleben. Nur je älter ich wurde, desto deutlicher trat hervor, dass ich auch immer wieder neue Herausforderungen brauchte. Wenn etwas zu normal wurde, zur Routine, dann war es auch schnell langweilig. 

Auch in allzu starren Strukturen gefangen zu sein, war schon immer richtig schlimm für mich. Was ich jedoch nie hatte, waren Problem mit Emotionsregulation im Sinne von plötzlichen unkontrollierbaren Wutausbrüchen am Arbeitsplatz oder so etwas. Das wird ja oft als das so typische Merkmal hingestellt. Oder die Suchtproblematik, ein Abrutschen in die Kriminalität und was man eben noch so alles liest. Ja, kann passieren. Muss aber nicht. Aber ein Problem mit Emotionsregulation und Wut hatte ich dennoch. Aber nach innen gegen mich selbst gerichtet. Allerdings wurde mir das auch erst bewusst als mir das Licht so nach und nach aufgegangen ist.

ADHS im Erwachsenenalter – mehr Informationen mussten her

Jedenfalls hat all das, was ich da im Netz so gelesen haben, gepasst wie die Faust aufs Auge. Ich habe mich, mein Leben und meinen Lebenslauf darin wiedergefunden. Also habe ich mir erst einmal ein Buch bestellt. Kein Fach- oder Sachbuch, sondern einen autobiografischen Roman. Ganz leichte Literatur, aber nett und unterhaltsam. Und so aufschlussreich. Nicht alles, aber doch einiges hätte genau mein Leben sein können. Ein paar wenige Dinge sind exakt genauso passiert! Und von anderen Teilen war ich weit weg. Aber so ist ADHS. Es gibt ein Spektrum an Symptomen und nicht alle Symptome treffen gleichermaßen auf alle von ADHS im Erwachsenenalter Betroffen zu. Jeder einzelne von uns hat seine persönlichen Special Effects. Die ich inzwischen nicht nur kenne und akzeptiere, sondern auch richtig gerne an mir mag.

Das erste Buch, das ich mir bestellt hatte, war übrigens dieses hier:

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Nach diesem Buch von Mina Teichert habe ich dann die ersten Fachbücher bestellt, ich habe Zeugnisse aus meiner Grundschulzeit heraus gekramt und versucht einen Termin für eine handfeste Diagnostik zu bekommen. Es gibt leider wenig Möglichkeiten, die Wartezeiten sind lang, aber ich hatte Glück und tatsächlich drei Monate später die Bestätigung in Händen. Jetzt hatte ich mein fehlendes Puzzleteil. Jetzt wusste ich, warum ich manchmal Texte zehn mal lesen muss und noch immer nicht mal im Ansatz erfassen konnte, worum es da ging. Warum ich manchen Menschen einfach nicht zuhören kann, obwohl ich das eigentlich möchte. Warum der Vogel vor dem Fenster plötzlich interessanter ist, als die Frage, die mir meine Tochter gerade gestellt hat. Und so vieles mehr. Auch einige Monate nach der Diagnose habe ich regelmäßig diese Aha-Momente.

Hier sind einige Bücher, die ich auf jeden Fall zur Vertiefung in das Thema ADHS im Erwachsenenalter empfehlen kann:

Das große Handbuch für Erwachsene mit ADHS
ADHS bei Frauen den Gefühlen ausgeliefert
Immer auf dem Sprung: Ein Selbsthilfebuch für Erwachsene mit ADHS (BALANCE Ratgeber)
ADHS bei Erwachsenen - ein Leben in Extremen: Ein Praxisbuch für Therapeuten und Betroffene
Mit ADHS erfolgreich im Beruf: So wandeln Sie vermeintliche Schwächen in Stärken um

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Die Konzentration, der Fokus und Priorisierung

Meine allergrößte persönliche Schwäche ist, dass ich mich nicht konzentrieren kann, sobald auch nur ein winziges Geräusch ertönt. Noch schlimmer, wenn ich etwas schreiben soll oder selbst gerade ein Gespräch führe, und dann neben mir jemand etwas anderes spricht. Ihr könnt Euch vorstellen, welcher Segen Corona und das damit verbundene Homeoffice für mich waren, wenn ich Euch erzähle, dass wir zweitweise zu dritt in einem 18 qm Büro saßen, die Türen zum Gang geöffnet? Zu fünf weiteren Büros mit je drei fröhlich quasselnden Kolleginnen und Kollegen? Jahrelang habe ich so sehr darunter gelitten, inzwischen muss ich darüber irgendwie lachen.

ADHS im Erwachsenenalter
Zu viel Input und alles ist nur eine einzige Nebelsuppe

Meine zweite Schwäche ist der Fokus. Wahlweise habe ich zu wenig oder zu viel. Wenn mich eine Sache nicht wirklich mitreisst, dann ist es so hart, es anzufangen, dabei zu bleiben und mit viel Glück zu Ende zu bringen. Bin ich aber mit etwas betraut, das mich catcht, mich interessiert oder mich persönlich herausfordert, dann bin ich nicht mehr zu bremsen. Da krache ich wie eine Dampfwalze in diese eine Aufgabe. Ich schaffe dann alleine, das was andere in der gleichen Zeit zu dritt nicht schaffen. 

Wenn ich meine Website zu einem anderen Host umziehen möchte und alles zu verzwickt ist, um es heil umzuziehen, dann kille ich in einem Wimpernschlag vier Jahre Arbeit. Und bastle die Seite mit all seinen Inhalten in vier Tagen in Form eines kompletten Relaunches im frischen Look neu. Das Projekt ist meine Beute und die erlege ich. Alleine. Aufgeben gibt es nicht. Solche Aktionen kosten richtig Kraft, aber unwissend wie ich war, habe ich das gar nicht gemerkt. Ich war stolz auf mich und mein Werk. Hyperfokus wird das genannt. Richtig coole Sache eigentlich, aber man sollte es wissen. Denn nur so merkt man, dass man gerade in einem drin steckt und wieder ordentlich Energie verballert.

Der negative Hyperfokus bei ADHS im Erwachsenenalter

So wie es den Hyperfokus gibt, den man auch gerade in der Arbeitswelt sehr gut nutzen kann, gibt es leider auch einen negativen Hyperfokus. Das ist zum Beispiel ein negativer Gedanke den man hat, eine Sache, über die man sich ärgert. Vielleicht zu recht. Aber normal wäre diesen Gedanken zu haben, den Ärger zu spüren, die negativen Gefühle dann aber auch wieder ziehen zu lassen. Nicht so im negativen Hyperfokus: diese Spirale muss man bewusst unterbrechen. Sich auch vergegenwärtigen, das man gerade wieder in so einem Strudel steckt. Und dass man dann auch besser die Klappe hält und nicht noch andere mitreisst. Wenn man das aber weiß, kann man schnell lernen damit und all den anderen genannten Punkten umzugehen.

Zeitmanagement und einen ADHS im Erwachsenenalter

Auch Zeitmanagement und Vergesslichkeit ist typisch für ADHS im Erwachsenenalter. Es kommt damit also zu zwei Phänomenen: das eine ist, dass man alle Termine und Aufgaben verbummelt, das andere ist zu viel Zeit einzuplanen. Zur letzteren Gruppe gehöre ich. Habe ich zum Beispiel um 15 Uhr einen Termin für den Reifenwechsel Im Autohaus meines Vertrauens, dann ist es für mich unmöglich an diesem Tag noch einen weiteren Termin einzuplanen. Damit ich ihn nicht vergesse oder zu spät komme, dürfen keine potentiellen Hindernisse im Weg stehen. Ich fahre auch viel zu früh los. Denn es könnte ja einen Stau geben, ich könnte eine Panne haben oder vielleicht ist das Autohaus inzwischen umgezogen und ich muss die neue Adresse raussuchen und dann auch noch dorthin fahren. Es könnten tausend Dinge passieren, die ich nicht vorhersehen kann.

Ich stehe dann also zwei Stunden zu früh mit meinem Auto vor dem Autohaus. Weil ich, exakt wie google maps es berechnet hat, ganze 11 Minuten zum Autohaus meines Vertrauens benötigt habe, das natürlich noch an exakt derselben Stelle ist, wie letzte Woche auch. Dafür habe ich mir diesen Termin aber in meinen Handykalender mit ungefähr sieben Erinnerungen eingetragen, damit ich ihn ja nicht vergesse: zwei Wochen vorher, eine Woche vorher, vier Tage vorher, zwei Tage vorher, einen Tag vorher, 6 Stunden vorher, vier Stunden vorher, drei Stunden vorher. So, hoffentlich habe ich jetzt aber nicht den Fahrzeugschein vergessen. So sieht also das Einhalten eines fast bedeutungslosen Termins in meinem Kopf aus. Anstrengend, oder?

Der Weg zum Burnout

All diese Symptome und die Reaktionen darauf kosten unfassbar viel Energie. Insbesondere wenn man gar nicht weiß wie sehr einen zum Beispiel Geräusche belasten. Oder das Multi-Tasking, von dem alle erwarten, das man es beherrscht. Man ist ja schließlich Frau. Aber ich höre entweder zu, oder ich schreibe oder ich spreche. Möglicherweise kann ich gleichzeitig sprechen, was ich gerade schreibe. Ihr merkt schon, die ganze hohe Kunst des Multitasking. Viele Informationen zu verarbeiten kosten jeden viel Kraft. Lärm, Lichter, Bilder, die ganze Reizüberflutung, das ist für jeden anstrengend, ja. 

Aber eine Person, die von ADHS betroffen ist, die kostet es weit mehr Kraft. Denn hier liegt eine Stoffwechselstörung im Gehirn vor. Darauf werde ich weiter unten noch genauer eingehen. Fakt ist aber, dass hier wichtige von unwichtigen Reizen nicht unterschieden werden und alle Informationen ungefiltert auf unser Gehirn einströmen. Yeah, Feuerwerk wie zum Jahrtausendwechsel! All das summiert sich. Bis eben nichts mehr geht.

ADHS und wie man seinen Fokus verbessern kann

Um seinen Fokus zu verbessern und seine Konzentrationsfähigkeit zu erhöhen kann man natürlich diverse Medikamente nehmen. Und ja, ich nehme welche und habe aktuell das Gefühl, sie tun mir wirklich gut. Im Grunde will ich auf dieses Thema nicht weiter eingehen, denn darüber muss sich jeder selbst aufklären lassen und eine Entscheidung gemeinsam mit seinem Arzt treffen. Mir helfen sie, um im Job zu funktionieren. 

Mir helfen zusätzlich aber auch andere Methoden, die ich in den vergangenen Wochen und Monaten gelernt habe. Mit denen ich vermutlich auch auskäme, wenn ich komplett selbstbestimmt und selbstständig arbeiten würde, aber da ich einen Job habe, in dem ich ein Rädchen in einem Team bin, möchte ich ich meinen Kollegen und Kolleginnen auch die Kollegin sein, die sie verdient haben. Und weitestgehend kompatibel sein. Vielleicht finde ich aber mit der Zeit einen Weg auch ohne Medikamente diese Mitarbeiterin zu sein, die sowieso in mir steckt, die aber dann weiß, wie sie ihr Potential voll entfalten kann und gleichzeitig die Schwächen, die eine ADHS mit sich bringt, im Griff hat. Wir werden sehen, aber definitiv würde ich Medikation niemals verteufeln, auch wenn ich sie selbst zu Beginn eigentlich abgelehnt habe.

ADHS und die Wahrnehmung in der Gesellschaft

„ADHS ist eine Erfindung der Pharmaindustrie!“ – diese oder ähnlich Sätze darf man oft lesen. Für Betroffene ein Schlag ins Gesicht. Es ist genauso eine Erfindung der Pharmaindustrie wie Diabetes oder eine Schilddrüsenunterfunktion. ADHS ist eine nachweisbare Störung im Hirnstoffwechsel. Damit also auch keine psychische Erkrankung im eigentlichen Sinn. Es ist ein Fehlregulation, den die Rezeptoren zwischen den Synapsen sind etwas übereifrig und fangen das Dopamin, das für eine ordnungsgemäße Reizübertragung von Bedeutung ist, vorzeitig zurück. Man kann das über auch über ein MRT oder CT sichtbar machen, und es ist wohl theoretisch über eine Liquoruntersuchung ebenfalls nachweisbar. Es ist greifbar, es ist biologisch. 

Nicht, dass ich damit in Abrede stellen möchte, dass es nicht genauso schlimm wäre, wenn es eben doch „nur“ rein psychisch wäre und eine eben nicht eine nachweisbare Stoffwechselstörung. Aber hat man seine ADHS erst durch eine Erschöpfungsdepression, auch manchmal Burn-Out genannt, entdeckt, wird man oft auf die „Psychoschiene“ (dieses Wort bitte nicht falsch verstehen!) geschoben. Es ist vielleicht oft auch nur fürsorglich gedacht, wenn man als „nicht belastbar“ betrachtet wird, mit Samthandschuhen angefasst wird. Für den Betroffenen kommt es aber einer Entmündigung gleich und wirft ihn eher weiter zurück, als es ihm helfen würde.

ADHS im Erwachsenenalter und seine Vorzüge

Aber wir sind in der Regel schlau, können vernetzt denken und Zusammenhänge gut erkennen. Wir haben Lösungen für Probleme, die andere noch nicht einmal als Problem erkannt haben. Stellt man uns interessante Aufgaben und motiviert uns, erzielen wir herausragende Leistungen. Nur brauchen wir eben ab und an Pausen, und zwar dann wenn wir sie brauchen. Wir brauchen Herausforderungen und die Freiheit selbstständig und selbstbestimmt handeln zu können. Wir haben einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und sind paradoxerweise in der Lage andere Personen, Projekte und Aufgaben zu strukturieren. 

Nur bei uns selbst fällt es uns eben schwer. Wir brauchen Checklisten, Erinnerungsfunktionen und Ruhe zum Arbeiten. Das alles sind Auflistungen, die aber wiederum nicht auf jeden mit einer ADHS im Erwachsenenalter gleichermaßen zutrifft. Am allerwichtigsten ist es aber gefragt zu werden, was man braucht. Und Verständnis dafür, dass sich eben diese genannten Bedürfnisse auch ändern können. Absolutes Gift sind in den meisten Fällen aber wohl Fremdbestimmung und rigide Vorgaben.

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